ADHS – das ist doch diese Kinderkrankheit, die sich mit der Zeit verwächst, oder? Leider nein. Viele Erwachsene kämpfen mit den Auswirkungen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, oft ohne es zu wissen. Denn während ADHS im Kindesalter meist mit offensichtlicher Unruhe, Impulsivität und Konzentrationsproblemen verbunden wird, äußert sich die Störung im Erwachsenenleben oft subtiler – und bleibt dadurch lange unbemerkt.
"Ich dachte, ich bin einfach nur schlecht organisiert"
Leben mit ADHS: Wenn der Alltag zur Herausforderung wird
Vergesslichkeit, innere Unruhe, das Gefühl, ständig überfordert zu sein – für viele Menschen mit ADHS ist das der Normalzustand. Sie beginnen Projekte mit Begeisterung, verlieren aber schnell das Interesse. Rechnungen bleiben unbezahlt, Termine werden vergessen, und To-Do-Listen stapeln sich. Manche Betroffene entwickeln kreative Strategien, um ihr Chaos zu bewältigen, andere erleben ein ständiges Gefühl des Versagens.
Besonders schwierig ist es für Erwachsene mit ADHS, in einer Gesellschaft zu bestehen, die Struktur und Selbstdisziplin erwartet. Während Kolleg:innen scheinbar mühelos ihre Aufgaben abarbeiten, kämpfen sie mit ihrer Konzentration. Prokrastination ist oft kein Zeichen von Faulheit, sondern ein Ausdruck innerer Überforderung. Hinzu kommen emotionale Achterbahnfahrten: Euphorie und Motivation können innerhalb weniger Stunden in Frustration und Selbstzweifel umschlagen.
„Ich dachte, ich bin einfach nur schlecht organisiert“ – Die späte Diagnose
Viele Erwachsene mit ADHS haben eine lange Odyssee hinter sich, bevor sie verstehen, warum ihr Leben anders verläuft als das ihrer Mitmenschen. Manche haben sich immer als chaotisch, unzuverlässig oder unkonzentriert wahrgenommen. Andere haben ihr Leben um ihre Schwächen herum organisiert – oft auf Kosten ihrer eigenen Gesundheit.
Die Diagnose kann einerseits erleichternd sein, weil sie Erklärungen liefert. Andererseits kann sie auch Trauer auslösen: Warum wurde das nicht früher erkannt? Hätte das Leben anders verlaufen können? Doch der Blick zurück bringt wenig – entscheidender ist, was nun kommt.
Was hilft? Strategien für ein erfülltes Leben mit ADHS
Eine gute Nachricht vorweg: ADHS ist keine Sackgasse. Mit der richtigen Unterstützung lassen sich viele Herausforderungen bewältigen. Medikamente können helfen, die Konzentration zu verbessern, sind aber keine alleinige Lösung. Entscheidend sind individuell angepasste Strategien:
- Struktur schaffen: Klare Routinen und feste Abläufe helfen, den Alltag besser zu organisieren.
- Aufgaben in kleine Schritte unterteilen: Große Projekte können überwältigend sein. Kleine, machbare Etappen erleichtern das Dranbleiben.
- Selbstakzeptanz üben: ADHS bedeutet nicht, dass man „falsch“ ist. Es bedeutet, dass man einen anderen Weg finden muss, um erfolgreich zu sein.
- Professionelle Unterstützung nutzen: Therapie, Coaching oder Selbsthilfegruppen können helfen, die eigenen Stärken besser zu nutzen.
Ein Leben mit ADHS – aber nicht gegen sich selbst
ADHS bei Erwachsenen ist kein Zeichen von Unfähigkeit, sondern eine Herausforderung, die mit den richtigen Strategien gemeistert werden kann. Wer sich in den beschriebenen Schwierigkeiten wiedererkennt, sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
PsychologiePlus bietet Unterstützung für Menschen, die ihre ADHS besser verstehen und mit mehr Leichtigkeit durchs Leben gehen möchten. Denn manchmal reicht ein kleiner Impuls, um den eigenen Weg klarer zu sehen.